Rund 700 Schülerinnen und Schüler aus vorwiegend Nürnberger Schulen kamen auch in diesem Jahr in das Berufsinformationszentrum (BIZ) der Agentur für Arbeit Nürnberg, um Einblick in die unterschiedlichsten Handwerksberufe zu erhalten. Die Berufsinformations- und Vermittlungsbörse der Kreishandwerkerschaft Nürnberg Stadt und Land (KHW) und der Agentur für Arbeit Nürnberg fand bereits zum 16. Mal statt und war wieder ein voller Erfolg.
Viele junge Menschen sind vor ihrem Schulabschluss unsicher, welchen Berufsweg sie einschlagen wollen. Wer Interesse an handwerklichen Tätigkeiten hat, tut sich erst einmal schwer, einen Überblick über die zahlreichen Ausbildungsberufe zu bekommen. Die Berufsinformations- und Vermittlungsbörse kann da Abhilfe schaffen: Sie bietet Schülerinnen und Schülern ab der 7. Klasse die Möglichkeit, sich umfassend zu informieren und bei typischen Arbeitsabläufen der unterschiedlichsten Handwerksberufe praktisch auszuprobieren. Am 10. und 11. März nahmen rund 700 junge Menschen im Berufsinformationszentrum (BIZ) der Arbeitsagentur Nürnberg dieses Angebot wahr, größtenteils begleitet von ihren Lehrkräften. Für diese ist die Veranstaltung eine gute Gelegenheit, sich auf den neuesten Wissensstand über Ausbildungsberufe zu bringen und damit auch den Schülerinnen und Schülern mit Rat und Tat beistehen zu können.
An zahlreichen Ständen präsentierten Handwerker/-innen, Meister/-innen und Auszubildende ihren jeweiligen Beruf, beantworteten die Fragen der Schülerinnen und Schüler, gaben Tipps zu Ausbildung, dualem Studium oder Praktika und ermunterten dazu, selbst Hand anzulegen. So konnten sich die jungen Nachwuchskräfte beispielsweise an Frisuren, beim Stahlhämmern, Teigkneten, Glasschneiden oder in der Steinbearbeitung versuchen – entsprechend quirlig, laut und lebendig war die Atmosphäre. Auch der Spaß kam nicht zu kurz: Viel Zulauf bekam unter anderem der Stand der Gerüstbauer mit einer sportlichen „Hänge-Challenge“. Hier wurde gestoppt, wer es am längsten hängend an einem Gerüst aushielt.
Organisiert hatte die Veranstaltung wieder die Kreishandwerkerschaft Nürnberg Stadt und Land in enger Zusammenarbeit mit dem BIZ der Agentur für Arbeit. „Unser wichtigstes Ziel ist es, bei den jungen Leuten Interesse und Begeisterung für eine handwerkliche Ausbildung zu wecken“, betont Kreishandwerksmeister Achim Hanisch. „Nach wie vor sind Personalmangel und fehlender Nachwuchs große Herausforderungen im Handwerk. Da sehen wir es als unsere zentrale Aufgabe an, jungen Menschen Arbeitsmöglichkeiten vorzustellen, von denen sie vorher womöglich überhaupt keine Vorstellung hatten – und ihnen zu zeigen, wie spannend es sein kann, etwas mit den eigenen Händen zu schaffen.“ KHW-Geschäftsführerin Manuela Wohlert ergänzt: „Vor allem dem Nahrungsmittel-Handwerk, also etwa Bäckerbetrieben, fehlen Auszubildende – hier haben wir viermal mehr Angebote als Bewerberinnen und Bewerber. Gerade diesen Gewerken bietet unsere Veranstaltung beste Optionen, um etwa Vorurteile abzubauen, Erfahrungen aus der Praxis weiterzugeben und die positiven Seiten der Tätigkeiten hervorzuheben.“
Um gegen Fachkräftemangel und Nachwuchsprobleme vorzugehen, gilt es zunehmend, die Bandbreite der Aufgaben im Handwerk in den Fokus zu rücken. So ist vielen nicht bewusst, dass auch handwerkliche Betriebe kaufmännische Ausbildungswege anbieten. Zudem sind die technischen und KI-Anteile im Handwerk enorm gewachsen, sodass sich inzwischen deutlich mehr attraktive Karrieremöglichkeiten für technisch interessierte Abiturientinnen und Abiturienten bieten. „Vor allem in den Gewerken Anlagenmechanik, Sanitär und Heizung sowie Klimatechnik sind mehr und mehr Skills aus den MINT-Fächern gefragt“, sagt Katja Haas, stellvertretende Leiterin des Bereichs Berufsberatung vor dem Erwerbsleben bei der Nürnberger Agentur für Arbeit. „Wir möchten aber auch die Mittelschülerinnen und -schüler ausdrücklich zu diesen Ausbildungsberufen ermuntern. Hilfestellung kann hier die sogenannte ‚assistierte Ausbildung' geben, die die Arbeitsagentur für Ausbildungsberufe anbietet.“
Ein größeres Forum auf der Börse bekam in diesem Jahr der Wettbewerb „Deutsche Meisterschaft im Handwerk – German Craft Skills“. Mehrere Sieger dieser Leistungsschau waren vor Ort und berichteten den Interessierten von dem spannenden Wettbewerb und ihren beruflichen Erfahrungen. Bei der Meisterschaft, die es bereits seit den 1950er-Jahren gibt, treten jährlich Absolventinnen und Absolventen aus unterschiedlichen Handwerksberufen mit ihren Arbeitsproben und Gestaltungslösungen an. Neben dem Sieger im Gerüstbau, dem besten Steinmetzgesellen und dem Gewinner im Gebäudereiniger-Handwerk war auch Tim Bensch vor Ort. Der mittelfränkische Geselle, der bei einem Flaschner- und Installationsbetrieb in Roth gelernt hat, darf sich aktuell „Bester Prüfling der Innung Sanitär- und Heizungstechnik Nürnberg-Fürth“ nennen und hat es mit seiner Leistung bis zum Bundessieger des gesamtdeutschen Wettbewerbs in seinem Handwerk geschafft. „Ich mag meinen Beruf sehr und freue mich über die Auszeichnung“, sagt der junge Mann bescheiden. „Besonderen Spaß macht es mir aber auch, meine Erfahrungen an Jüngere weiterzugeben und so vielleicht den einen oder anderen neuen Azubi zu gewinnen“, fügt er hinzu.
Bei der weiteren Azubi- und Personalakquise sieht Julia Kubitzki, Vize-Sprecherin der Nürnberger Agentur für Arbeit, in den sozialen Medien viel Potenzial. „Wir können uns vorstellen, künftig auch lokale Influencer/-innen aus Handwerksberufen zur Börse einzuladen“, sagt sie und stößt damit bei der Kreishandwerkerschaft auf reges Interesse. Dass die Informations- und Vermittlungsbörse ebenso sinnvoll wie wirkungsvoll ist, steht jedenfalls außer Frage. „Genauso muss man´s machen“, lobt Berufsberaterin Katja Haas, „es gibt viele solcher Informationsveranstaltungen für Schülerinnen und Schüler, aber nur hier können die jungen Leute einen Beruf wirklich hautnah kennenlernen, indem sie sich praktisch darin ausprobieren können. Die positive Resonanz auch im 16. Jahr der Veranstaltung zeigt, dass das gut funktioniert.“