Sommerempfang der KHW Nürnberg: Handwerk trifft Kultur im Opernhaus

Rund 60 Gäste aus Handwerk, Politik, Wirtschaft und Stadtgesellschaft kamen am 7. Juli zum 14. Sommerempfang der Kreishandwerkerschaft Nürnberg Stadt und Land (KHW) im historischen Gluck-Saal des Staatstheaters Nürnberg zusammen. Im Mittelpunkt standen die handwerklichen Leistungen hinter dem Kulturbetrieb, die Zukunft des Opernhauses und das entstehende Kulturareal Kongresshalle. Bei einer Führung durch das Haus wurde anschließend sichtbar, wie viele Gewerke an einer Aufführung mitwirken.

Mit dem Opernhaus hatte die Kreishandwerkerschaft bewusst einen Ort gewählt, an dem Tradition, Kultur und handwerkliches Können auf besondere Weise zusammenkommen. Kreishandwerksmeister Achim Hanisch erinnerte daran, dass ein Theater nicht allein von Musik und Schauspiel lebt. Bühnenbilder und Kostüme, technische Anlagen und nicht zuletzt die Räume selbst entstehen durch handwerkliche Arbeit. Vieles davon bleibt dem Publikum verborgen, für den Theaterbetrieb ist es jedoch unverzichtbar. „Ohne uns, ohne das Handwerk, wäre ein Projekt dieser Größenordnung schlicht nicht möglich“, betonte Hanisch.

Wie bedeutend dieser Beitrag ist, wird sich auch bei der bevorstehenden Generalsanierung des Opernhauses zeigen. Das Handwerk bewahrt Bestehendes und gibt zugleich Neuem Gestalt. Hanisch lenkte den Blick jedoch auch auf die schwierigen Bedingungen, unter denen viele Betriebe arbeiten. „Steigende Kosten, fehlende Fachkräfte, knappe Gewerbeflächen und immer komplexere Rahmenbedingungen fordern unsere Branche zunehmend heraus“, so Hanisch. Damit das Handwerk seine Rolle als Ausbildungs- und Wirtschaftsmotor weiterhin erfüllen könne, brauche es verlässliche politische Rahmenbedingungen. Entscheidend sei deshalb ein enger und lösungsorientierter Austausch zwischen Handwerk und Politik, wie Hanisch betonte.

Gemeinsam für Nürnberg anpacken

Nürnbergs Dritter Bürgermeister Dr. Nasser Ahmed, zuständig für Wohnen, Bauen und Stadtentwicklung, griff diesen Gedanken auf: Die Stadt könne nur gemeinsam mit leistungsfähigen Betrieben weiterentwickelt werden. Daher wolle er die anstehenden Bauvorhaben unterstützen und den Dialog mit dem Handwerk stärken. Zugleich sprach sich Ahmed für bessere Bedingungen aus, unter denen sich Einsatz, Leistung und unternehmerischer Mut wieder auszahlen.

Ein besonderes Anliegen ist dem Dritten Bürgermeister die Förderung des beruflichen Nachwuchses. Bezahlbarer Wohnraum könne Auszubildenden den Start in Nürnberg erleichtern und dazu beitragen, Fachkräfte langfristig für die Region zu gewinnen. Seine Botschaft an die Gäste war klar: Die bevorstehenden Aufgaben lassen sich nur gemeinsam bewältigen.

Vom Opernhaus in das Kulturareal Kongresshalle

Ein zentrales Vorhaben ist die Entstehung eines neuen Kulturareals. Welche Bedeutung das Projekt für das Staatstheater hat, machte Christian Langmann, Leiter Development, Sponsoring & Fundraising am Staatstheater Nürnberg, deutlich. Er beschrieb das Theater als einen großen Handwerksbetrieb. In den Werkstätten entstehen Kostüme, Requisiten und Bühnenbilder. Gleichzeitig sorgen zahlreiche Fachleute hinter den Kulissen dafür, dass künstlerische Ideen auf der Bühne Wirklichkeit werden. Nach mehr als 120 Jahren stößt das 1905 eröffnete Opernhaus jedoch an bauliche und technische Grenzen. Mit der Sanierung sollen Barrieren abgebaut und die Voraussetzungen für ein zeitgemäßes Theatererlebnis geschaffen werden. Auch der Gluck-Saal, in dem der Sommerempfang stattfand, wird neugestaltet. Künftig soll er mehr Raum für Gastronomie, Austausch und Begegnung bieten.
Während der Bauarbeiten ziehen Musiktheater, Tanz und Konzert vorübergehend in die Kongresshalle am Dutzendteich. Dadurch wird ein Gebäude, das nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs lange vor allem als Lager diente und in weiten Teilen nicht zugänglich war, erstmals dauerhaft für die Stadtgesellschaft geöffnet. Im historischen Rundbau entsteht ein Kulturort, der die Auseinandersetzung mit der Geschichte mit Kunst, Theater und gesellschaftlichem Austausch verbindet. Neben der Spielstätte des Staatstheaters sind Räume für die freie Kunst- und Kulturszene vorgesehen.

Das Areal soll nicht nur während der Vorstellungen, sondern auch tagsüber offen und erlebbar sein. Barrierefreie Verbindungen zwischen den einzelnen Bereichen schaffen Bewegungsfreiheit und fördern Begegnungen über die Grenzen der jeweiligen Spielstätten hinweg.

Im Innenhof entsteht ein Theater für rund 800 Gäste. Der kompakte Zuschauerraum mit einem nur leicht geneigten Parkett und einem kleinen Rang soll von nahezu jedem Platz eine gute Sicht ermöglichen. Auch der Rang wird barrierefrei erreichbar sein. Moderne Bühnentechnik schafft zugleich neue Möglichkeiten für den Spielbetrieb. Eine Drehscheibe und höhenverstellbare Bühnenelemente erlauben schnelle Verwandlungen und anspruchsvolle Inszenierungen. Die technische Ausstattung macht nochmals deutlich, wie eng Kultur, Technik und handwerkliches Können miteinander verbunden sind.

Das Opernhaus am Richard-Wagner-Platz bleibt unabhängig davon ein zentraler Kulturort in der Nürnberger Innenstadt. Nach Abschluss der Sanierung soll das Staatstheater dorthin zurückkehren. Der konkrete Zeitpunkt steht derzeit noch nicht abschließend fest.

Blick hinter die Kulissen

Nach dem offiziellen Programmteil des Sommerempfangs nutzten die Gäste das entspannte Get-together mit kulinarischer Begleitung für persönliche Gespräche. Bei der anschließenden Führung durch das Opernhaus öffneten sich Türen, die dem Publikum sonst verschlossen bleiben. In Werkstätten, auf und hinter der Bühne sowie in den technischen Bereichen wurde deutlich, wie viel Erfahrung, Präzision und Kreativität in einer Theaterproduktion stecken.

Damit schloss sich der Kreis zum Leitgedanken des Sommerempfangs: Im Opernhaus trafen Handwerk und Kultur so unmittelbar aufeinander wie kaum irgendwo sonst.

Impressum

Das Handwerk

Datenschutz