Jahreshauptversammlung der KHW Nürnberg: Gemeinsam für ein zukunftsfähiges Handwerk

Wie bleibt das Handwerk unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen handlungsfähig? Diese Frage prägte die Jahreshauptversammlung der Kreishandwerkerschaft Nürnberg Stadt und Land (KHW) am 14. Juli. Rund 20 Dele-gierte und Mitglieder kamen am Nürnberger Hauptsitz der Evenord eG zusammen. In den Beiträgen und Diskussionen wurde deutlich: Zukunftsfähige Betriebe brauchen nicht nur Investitionen und Fachkräfte, sondern ebenso funktionierende Verkehrswege, praxistaugliche Regeln und einen starken Zusammenhalt. „Wir müssen an einem Strang ziehen“, brachte Kreishandwerksmeister Achim Hanisch die zentrale Botschaft der Versammlung auf den Punkt.

Wie wichtig dieser Zusammenhalt ist, zeigen auch die jüngsten Entwicklungen innerhalb der Innungsorganisation. Hanisch gratulierte zu neu übernommenen Ämtern und begrüßte die erfolgten Zusammenschlüsse von Innungen. „Dieses Wachstum stärkt die gemeinsame Arbeit und trägt dazu bei, Interessen auch künftig wirkungsvoll nach außen zu vertreten“, betonte Hanisch. Für ihren Einsatz und die verlässliche Begleitung dieses Prozesses dankte der Kreishandwerksmeister insbesondere KHW-Geschäftsführerin Manuela Wohlert.

Eine starke Gemeinschaft allein reicht jedoch nicht aus. Damit Betriebe investieren, ausbilden und neue Ideen umsetzen können, benötigen sie ausreichend Spielraum für eigenverantwortliche Entscheidungen. „Unser Handwerk lebt von Freiheit“, so Hanisch. Notwendige Regeln dürften nicht immer in neuen Dokumentationspflichten und langwierigen Verfahren enden. Besonders kleine und mittlere Unternehmen sind auf verständliche Vorgaben, kurze Wege und Planungssicherheit angewiesen. Dazu leistet die handwerkliche Selbstverwaltung der Innungen und der Kreishandwerkerschaft einen wichtigen Beitrag. Hier bringen Handwerkerinnen und Handwerker ihre Erfahrung ein, übernehmen Verantwortung und gestalten die Zukunft ihrer Branche mit.

Mobilität ist ein wichtiger Faktor

Eng mit der Handlungsfähigkeit der Betriebe verbunden ist die Frage, wie sie ihre Kunden und Einsatzorte erreichen. Nürnbergs Zweiter Bürgermeister Andreas Krieglstein sprach sich deshalb für eine Verkehrspolitik aus, die unterschiedliche Bedürfnisse nicht gegeneinander ausspielt. Das Prinzip „Baum oder Parkplatz“ muss aufhören. Zwar braucht eine wachsende Stadt Platz für Lebensqualität und Klimaschutz, aber eben auch einen funktionierenden Verkehr.

Für das Handwerk ist Mobilität Teil des täglichen Geschäfts. Baustellen können nicht ausschließlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein. Leistungsfähige Straßen und verlässliche Verbindungen sind deshalb für Nürnberg und die ge-samte Region von großer Bedeutung. In diesem Zusammenhang verwies Krieglstein auch auf den beschlossenen Ausbau des Frankenschnellwegs. Besonders das Handwerk hat sich in die öffentliche Diskussion eingebracht und damit gezeigt, welchen Stellenwert das Projekt für die Mobilität der Betriebe besitzt.

Ebenso entscheidend ist die Situation am Einsatzort. Der städteübergreifende Handwerksparkausweis+ erleichtert zwar die Arbeit in Nürnberg, Fürth, Erlangen und Schwabach. Ohne ausreichend Stellflächen in Kundennähe bleibt sein Nutzen jedoch begrenzt. Dr. Rainer-Johannes Wolf, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Mittelfranken, unterstrich, dass Park-and-Ride-Angebote für Betriebe mit Werkzeug, Material und schweren Geräten keine ausreichende Alternative darstellen. Daraufhin versprach der Zweite Bürgermeister zusätzliche Parkmöglichkeiten sowie eine engere Abstimmung mit dem Umland und flexiblere Lösungen innerhalb der Stadtverwaltung.

Praxistaugliche Regeln und regionale Verbundenheit

Investitionen, öffentliche Vergaben, Digitalisierung und Fachkräftesicherung bildeten weitere Schwerpunkte der Versammlung. Wolf sieht für das zweite Quartal zwar erste Anzeichen einer wirtschaftlichen Belebung. Eine nachhaltige Erholung kann jedoch nur gelingen, wenn private und öffentliche Investitionen wieder stärker in Gang kommen. Zudem müssen Vergabeverfahren so gestaltet werden, dass auch kleine und mittlere Unternehmen aus der Region realistische Chancen erhalten.

Auch die fortschreitende Digitalisierung verändert den Betriebsalltag. E-Rechnungen, digitale Kfz-Zulassungen und elektronische Steuerverfahren können Prozesse vereinfachen, stellen viele Unternehmen in der Umsetzung jedoch zunächst vor neue Herausforderungen. Es ist entscheidend, digitale Anwendungen verständlich einzuführen und die Betriebe dabei zu begleiten. Mit Blick auf den Fachkräftemangel informierte Wolf zudem über das geplante Work-and-Stay-Angebot in Mittelfranken, das Unternehmen und internationale Beschäftigte bei Einwanderung, beruflichem Einstieg und Integration unterstützen soll.

In der anschließenden Diskussion griffen die Delegierten viele dieser Punkte erneut auf und führten die zentralen Anliegen der Versammlung zusammen: Das Handwerk braucht verlässliche Verkehrswege, praxistaugliche Verfahren und faire Bedingungen, damit Betriebe investieren, ausbilden und ihre Stärke in der Region entfalten können. Um das zu erreichen, bündelt die Kreishandwerkerschaft ihre Kräfte und geht zusammen die notwendigen Veränderungen an.

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